Archive for Allgemein

Wie der Atari-Computer ins Literaturarchiv kam

DisketteVor dem elektronischen Lesen kam das elektronische Schreiben: schon seit mehr als dreißig Jahren sind die Autoren von der Olympia oder Gabriele umgestiegen zu Mac oder PC. Da stellt sich irgendwann natürlich die Frage: was bleibt eigentlich in der papierfreien Versfabrik noch für die Literaturwissenschaftler und Archivare übrig? Gar nicht so wenig, musste ich bei meinem Besuch in Marbach feststellen. In den atombombensicheren Katakomben des dortigen Literaturarchivs warten zwar nicht nur Manuskripte aus den Schubladen der deutschen Klassiker auf die Nachwelt, sondern auch schon die ersten Atari-Computer und 3,5-Zoll-Disketten. Allerdings konnte ich aus sicherer Quelle erfahren: der völlig papierfreie Autor ist sowieso noch nicht in Sicht… Mehr dazu könnt ihr in meinem Artikel für E-Book-News lesen, außerdem gibt’s auch eine kleine Video-Reportage.

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Bezahlen für Dinge, die nichts kosten? Über Krauts & Crowdfunding

Bunny the K9 Kachingler

Crowdfunding klingt ur-amerikanisch. Schließlich wurden die technischen Grundlagen für die “Crowd”, also die per Internet miteinander vernetzten Menschenmassen, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelegt. “Fundraising” ist nicht ohne Grund ein englisches Wort. Unter einer US-Adresse firmiert zudem das Unternehmen PayPal, mit dem Micropayment, also das bequeme Bezahlen kleiner Kleckerbeträge per Mausklick, erst so richtig populär wurde. Doch das Internet ist immer für eine Überraschung gut - die wahren Meister im Crowdfunding sind offenbar wir, die “Krauts”. Am Rande eines Medien-Lunches im Haus der Bundespressekonferenz sprach ich mit Cynthia Typaldos, Gründerin des Crowdfunding-Netzwerks Kachingle, bei dem seit Anfang 2010 auch E-Book-News mitmacht. Auf E-Book-News findet man auch eine Video-Zusammenfassung des Interviews. Read the rest of this entry »

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Mein Leben als Online-Buchhändler, Teil 1

e-book-news-onlineshop.gifNach einem Jahr E-Book-News hatte ich doch mal Lust auf ein wenig Veränderung. Wer Grafikdesignerinnen in seinem Freundeskreis weiß, darf sich ja auch mal ein Logo zum Geburtstag wünschen - das Ergebnis kann man jetzt dortselbst bewundern. Many thanks, Susanne! Mit knapp viertausend Lesern pro Monat hat sich der Blog zum Thema Elektronisches Lesen ganz gut entwickelt. Besonders beliebt scheinen die E-Reader-Reviews zu sein, vor allem, wenn sie mit Video-Material ergänzt werden. Aber auch die E-Book- und E-Comic-Besprechungen stoßen auf geballtes Interesse. Das ist schön - schließlich macht ja der Titel (E-BOOK-News) deutlich, dass es weniger ein Gadget-Blog sein soll, sondern vor allem um die Lektüre selbst geht. Apropos Bücher: seit gestern bin ich nicht nur E-Book-Blogger, sondern auch Online-Buchhändler. Read the rest of this entry »

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In memoriam Pinky, Inky, Blinky & Clyde

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Die wohl berühmtesten Gespenster aller Zeiten heißen Pinky, Inky, Blinky und Clyde. Wahrscheinlich haben sogar weltweit mehr Menschen mit ihnen Bekanntschaft gemacht als mit den Geistern aus Charles Dickens Weihnachtsmärchen. Besser gesagt: sie sind ihnen sogar regelrecht erschienen. Nicht nur als urbanes Graffiti auf Häuserwänden, als schicke Ohranhänger oder T-Shirt-Logo, auch auf der Mattscheibe. Pinky, Inky, Blinky & Clyde – fällt immer noch kein Groschen? Der Name ihres ärgsten Feindes dürfte vielleicht geläufiger sein – Pacman. Arme Gespenster! Die Damnatio Memoriae scheint allen Spukgestalten zu drohen, die zu lange im Rampenlicht gestanden haben. Höchste Zeit für einen Nachruf – und vielleicht für die Einsicht: auch im digitalen Geisterhaus wohnen Armut & Reichtum Tür an Tür. Weiterlesen auf gespenst-der-armut.org

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E-Book-News.de, oder: Not only Androids dream of electronic books

e-book-newsde_not-only-androids-dream-of-electronic-books_bild-von-geralt-pixelio-150x150.jpgSony PRS 505, iPhone plus Stanza, epub: So lauten Buzz-Words einer Branche, die das Leseland Deutschland zum E-Leseland machen will. Gerade erst hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seine Haltung zu E-Books geändert: auch für elektronische Bücher gilt ab sofort die Buchpreisbindung. Die Verkaufszahlen für E-Books in den USA und Japan sind im letzten Jahr  explodiert. Jetzt kommt auch bei uns einiges in Bewegung. Demnächst startet der deutsche Buchhandel mit Libreka.de ein Download-Portal für digitale Lektüre. Thalia vermarktet den neuen E-Reader von Sony.

Sehr viel erfahren kann man in deutschen Medien zu diesem Thema allerdings bisher nicht. Dabei ist mttlerweile ist alles vorhanden, um die Literatur von der Gutenberg-Galaxis direkt in das Drahtlose Zeitalter zu katapultieren: einheitliche Dateiformate, Internet-Verkaufsplattformen sowie W-LAN-fähige mobile Endgeräte mit papierähnlichem Display. Höchste Zeit also, das Thema aufzugreifen: in meinem neuen Blog E-Book-News.de gibt es ab jetzt mehrmals pro Woche Neuigkeiten rund um das elektronische Lesen. Wer etwa wissen möchte, warum Japanerinnen auf Handys Romane schreiben,  wann wir Zeitungen aus elektronischem Papier lesen werden oder ob man ein E-Book eigentlich umtauschen oder verschenken kann, sollte mal vorbeischauen…

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Stadionromanzen

stadionromanzen.jpgSport war schon immer Nerven-, aber aus kulturwissenschaftlicher Perspektive nie nur Nebensache. Wer das Stadion betritt, begibt sich – um mit Cultural-Studies-Begründer Stuart Hall zu sprechen – in die „arena of consent and resistance“ der Populärkultur. Also dorthin, wo Tag für Tag der Kampf um kulturelle Deutungshoheiten ausgetragen wird. Kai Marcel Sicks’ Studie zum Sportroman der 20er Jahre zielt deswegen auch auf mehr als nur literaturgeschichtlichen Fußnotenwert. Die “Stadionromanzen”  zeigen nämlich nicht nur, „welche Geschichten sich grundsätzlich über Sport erzählen lassen“. Titel wie “Der Läufer von Marathon”, “Sport-Hansi. Ein Tennis-Roman für junge Mädchen” oder “Theo boxt sich durch” bieten zudem Einblicke in „zentrale Imaginationen und Assoziationen” rund um den Sport. Besonders interessant sind für den Autor zwei Kategorien: die Verbindung von Sport und „Willenskraft“, sowie Körpermetaphern und Körpervorstellungen. Mehr zu den „tiefgebräunten Körpern von untadeliger Schönheit“ und der “Gymnastik des Willens” liest man in meiner Besprechung des Bandes in der Zeitschrift für Germanistik (ZfG) 1/2009 (entweder in der Bibliothek Ihres Vertrauens oder hier). Wer einen Blick in das Buch selbst werfen möchte, dem sei Google Books ans Herz gelegt.

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Richtig auf dem Holzweg

gruenesgeld.jpgSelten können Anleger ihre Zinsen wirklich wachsen sehen - bei Holzinvestment ist das jedoch kein Problem. Mit jedem Zentimeter, den ein Setzling dem Himmel entgegenwächst, ist man der Rendite einen Schritt näher. Der grüne Blätterwald lässt sich zudem nicht von Börsenkursen und Konjunkturschwankungen beeindrucken. Das war natürlich schon immer so. Doch seitdem Nachhaltigkeit auch in der Ökonomie ein wichtiger Faktor geworden ist, sind Wälder, Baumschulen und Plantagen als Geldanlage plötzlich wieder en vogue. Neben der Suche nach Strategien zur Treibhausgasreduktion hat aber auch die Hausse der Rohstoffpreise den nachwachsenden Rohstoff Holz bei langfristig orientierten Anlegern beliebt gemacht.

Mehr zum Thema Holzinvestment/Grünes Geld (taz-Beilage vom 6.9.2008) lesen Sie hier.

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Terror, Pop & Prada Meinhof

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“Die Zeit ist reif für RAF-Popstars”, schrieb das Lifestyle-Magazin Max zu Beginn des Jahrtausends, und präsentierte dazu Bilder einer Modestrecke, deren Retro-Schick sich an Presse-Fotografien aus der Zeit des deutschen Herbstes anlehnte. Damit stand nicht nur die Frage im Raum: “Ist Terror cool?”, sondern auch: gehören Pop und Gewalt, Pop und Terror zusammen!? Blickt man etwas genauer auf die Pop- und Mediengeschichte, ist die Antwort klar: Natürlich, und zwar schon von Anfang an. Die Verbindung ist allerdings in Vergessenheit geraten, und zwar nicht ganz zufällig zu dem Zeitpunkt, als die rebellische, oppositionelle Pop-Kultur (Pop I) zum Mainstream (Pop II) wurde. Umso interessanter, wenn sich popkulturelle Medien wie der Film auf die Suche nach der Gewalt-Vergangenheit der deutschen Linken machen. Denn dabei geht es natürlich auch um die Gewalt-Vergangenheit der Medien selbst. Gewalt ist nolens, volens immer ein Teil der Berichterstattung. Nicht umsonst fragte Raymond Williams schon Anfang der 70er Jahre (kurz nach dem Medienereignis München 1972): “Is terrorism becoming a spectator-sport!?” Doch wie kann sich ein popkulturelles Medium wie der (Spiel-)Film kritisch mit der medial codierten Gewalt-Geschichte auseinandersetzen? Antworten auf diese Frage finden sich in meinem aktuellen Aufsatz “Terror, Pop & Prada Meinhof. Zur popkulturellen Gedächtnisfunktion des deutschen Gegenwartkinos”, publiziert in der Zeitschrift SPIEL . Dort habe ich mich insbesondere mit zwei deutschen Kino-Streifen beschäftigt: “Die fetten Jahre sind vorbei” sowie “Was tun wenn’s brennt?“. Letzteres war damals eine rein rhetorische Frage. Die stereotype Antwort hieß: “Brennen lassen”.

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Populärkultur im Pausenraum

pausenraum_foto.jpgKaum ist die Radiosendung über Belgien verklungen, kommt schon der nächste Medien-Event von Warner&Würmann: der Sammelband “Im Pausenraum des Dritten Reiches. Zur Populärkultur im NS-Deutschland” ist endlich da! Der Begriff “Pausenraum” zielt auf die ambivalente Stellung der Pop-Kultur im NS: Kriminalroman, Artzroman, Musik, Kinofilme, Sportveranstaltungen waren einerseits der Ort für die “kleinen Fluchten” aus dem Alltag, andererseits aber in dieser Funktion oft auch vom System so gewollt, zumindest aber toleriert. Ohnehin konnte man aus der kulturindustriellen Massenproduktion mitten im 20. Jahrhundert ja gar nicht mehr aussteigen, es musste den Nazis vor allem darum gehen, sie zu beeinflussen. Die Cultural Studies betonen interessanterweise die Möglichkeiten der Medienkonsumenten, sich den Intentionen der Produzenten zu entziehen: z.B. bewusstes Falsch-Verstehen bzw. Gegen-den-Strich-lesen, manchmal ganz einfach auch die Ablehnung von Produkten, was sich z.B. an Verkaufszahlen ablesen läßt. Doch ging das auch im Dritten Reich? Hatte der Pausenraum subversive Ecken? Mehr dazu im Vorwort des Bandes, noch mehr in den 14 Beiträgen des Bandes: unter diesem Link ist er für (ähem!) 51 Euro, 35 Pfund oder 73 Dollar zu bestellen. Dafür kann man dann unter dem Titel “Elf Kameraden und ein Gedanke: Glauben an den Sieg” u.a. auch meinen Aufsatz zu den Funktionen des Fußballfilms im Dritten Reich lesen.
Das obige Bild steht übrigens auf dem Cover, es zeigt zwei “Arbeitsmaiden” bei der “Pausenlektüre” des Romans Die Sache mit Katja von 1942.

Carsten Würmann/Ansgar Warner (Hrsg.):

Im Pausenraum des Dritten Reiches
Zur Populärkultur im nationalsozialistischen Deutschland

Verlag Peter Lang, Bern 2008

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Was bleibt von Belgien (DLF, 6.5., 19:15)

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Belgien wirkt auf manche Beobachter nach über 170 Jahren Existenz noch immer wie eine Laune des Zufalls. Doch die belgische Nation wird sich trotz Sprachenclinch und politischer Dauerkrise wohl kaum auflösen “wie eine Tablette Aspirin im Wasser”, wie es ein flämischer Nationalist vor kurzem prophezeite. Im Mutterland des Surrealismus scheint gerade die medial inszenierte Identitätskrise einen Grundpfeiler der “Belgitude” zu bilden.

In einem Land, das als unbeabsichtigte Folge einer Opernaufführung entstand, gehört selbst die mediale Inszenierung des Untergangs zur Normalität. Als Ende 2006 das wallonische Fernsehen die Abspaltung Flanderns in einer fiktiven Live-Reportage verkündete, schien das vielen Zuschauern trotz des Hinweises, das Folgende sei vielleicht keine Fiktion, nur allzu wahrscheinlich. Am Ende lieferte auch dieses Medienereignis den Belgiern nur einen weiteren Anlass, sich über Belgien gemeinsam uneinig zu sein.

Ein Feature von Ansgar Warner und Carsten Würmann.

Sendetermin: Deutschlandfunk, 6.5.2008, 19 Uhr 15

Übrigens: Die Musik zum Ende von Belgien (”Good Bye Belgium”) von der französischen Band “The Lord Henry Wattons” gibt’s auf myspace!!!

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