Archive for März, 2007

Von AgitProp bis AgitPop

arbeiterlieder.JPGWer singt uns heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, die “Songs von den brennenden Zeitfragen”? Wohl zu Recht stellt eine aktuelle Studie zum politischen Lied in der Bundesrepublik fest: der “festlich-gehobene Ton” wie auch der “hymnisch glorifizierende Gesang” von traditionellen Arbeiter- wie auch Volksliedern entspricht nicht mehr dem heutigen Lebensgefühl. Mit anderen Worten: die alten Arbeiterlieder sind nicht mehr massenkompatibel. Aber ist das wirklich ein Problem!? Denn wenn man einmal genauer hinhört, bemerkt man: es gibt neue Lieder, die im modernen Gewerkschafts-Alltag und mit heutigen medialen Formen die Funktion der alten Lieder erfüllen. So etwa den Song “Her mit dem schönen Leben!”, der vor einigen Jahren im Rahmen der gleichnamigen Kampagne der DGB-Jugend entstanden ist. Oder den Live-Rap, der während der DGB-Demonstration im Herbst 2006 von der LKW-Ladefläche herunter die Verhältnisse zum Tanzen brachte: “Wir sind nicht die Roboter der Deutschland-AG!”

Neue und alte “Songs von den brennenden Zeitfragen” findet man auf der CD “Arbeiterlieder. Die Geschichte des deutschen Arbeiterliedes”, die das Berliner Label Lieblingslied-Records im Auftrag des DGB produziert hat. Ich habe den Einleitungstext des Booklets dazu beigesteuert — eine Tour d’horizon durch die Geschichte des politischen Liedes von der Marseillaise bis zu Udo Jürgens subversivem 70er-Jahre-Schlager “Lieb Vaterland”.

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