Putting Giessen on/off the map
“Putting Giessen on the map” ist nicht erst seit der Exzellenz-Initiative ein beliebtes Motto in Mittelhessen. Vor dreißig Jahren hat man genau das Gegenteil versucht, allerdings auch damit die Stadt in die Medien gebracht: im Rahmen des Lahn-Stadt-Projektes wurden Giessen, Wetzlar und einige Umlandgemeinden am 1.1.1977 zu einer Großstadt fusioniert. Dagegen regte sich massiver Widerstand der Bevölkerung — der Verlust der alten Städtenamen schien die regionale Identität zu bedrohen.
Auch die überregionalen Medien stürzten sich auf das Thema: das Projekt wurde als Inbegriff bürgerferner Technokratie inszeniert. “So werden deutsche Städte ausradiert”, titelte eine populäre Illustrierte, und fügte mit polemischem Unterton hinzu: “Diesmal siedeln sich die Deutschen selbst um”. Doch selbst Bundeskanzler Helmut Schmidt soll in Hinblick auf die Goethe-Stadt Wetzlar gespottet haben: “Unter einer Lotte in Lahn kann ich mir nichts vorstellen.”
Als das Fait accompli den regierenden Sozialdemokraten herbe Stimmverluste bescherte, zog man die administrative Notbremse: ab 1. August 1979 war wieder alles so wie gehabt. Eine Entscheidung mit Folgen: nicht nur Wolkenkratzer, sondern auch eine U-Bahn oder einen ICE-Bahnhof sucht man zwischen Giessen und Wetzlar vergebens.
Der “Länderreport” im Deutschlandradio Kultur berichtet am 4. Mai ab 13:07 über dieses brisante Thema (”Wenn der Nachbar zum Mitbewohner wird” - Viel Aufregung bei Städte-Fusionen). Die Autoren der Lahnstadt-Sequenz sind zwei ausgewiesene Giessen-Experten, nämlich Nikola Herweg (deren Stimme im Beitrag auch zu hören ist) und ich selbst : - )
Wer die Sendung verpasst, kann sie sich auf den Internet-Seiten von dradio.de nach diesem Termin auch als Podcast anhören.