September 17, 2007 at 20:56
· Filed under Allgemein
“Doch wir haben die Heimat nicht verloren, unsere Heimat liegt heute vor Madrid”. So skandierte einst Ernst Busch, und Wolf Biermann und Hannes Wader trugen die alten Weisen jeder nach seiner Fassong in die deutsch-deutschen Phonoschränke. Ausgerechnet die Lieder des spanischen Bürgerkrieges boten damit seit den 1960er Jahren so etwas wie eine gesamtdeutsche Projektionsfläche linker Utopien. Im aktuellen Juni-Magazin
zum Thema “Deutsches Lied” habe ich mich vor diesem Hintergrund mit zwei legendären LPs Biermanns und Waders beschäftigt: “Es gibt ein Leben vor dem Tod” (1975) sowie dem Live-Album “Hannes Wader singt Arbeiterlieder” (1977). Während Biermanns Lieder freilich im Osten nur per Kopfhörer von illegal kopierten Kassetten gehört wurden, sangen große Menschenmengen auf Waders Live-Konzerten die alten Lieder kräftig mit. Es geht also um den unterschiedlichen Gebrauch desselben musikalischen “Erinnerungsortes” diesseits und jenseits des eisernen Vorhangs. Denn zu recht kann man die Frage stellen: Was verbindet eigentlich den “Mammita Mia” singenden Punk in der Hamburger Hafenstraße mit dem “Mammita Mia” singenden NVA-Soldaten im Manöver — außer vielleicht einem knisternden Lagerfeuer?
Permalink