Stadionromanzen
Sport war schon immer Nerven-, aber aus kulturwissenschaftlicher Perspektive nie nur Nebensache. Wer das Stadion betritt, begibt sich – um mit Cultural-Studies-Begründer Stuart Hall zu sprechen – in die „arena of consent and resistance“ der Populärkultur. Also dorthin, wo Tag für Tag der Kampf um kulturelle Deutungshoheiten ausgetragen wird. Kai Marcel Sicks’ Studie zum Sportroman der 20er Jahre zielt deswegen auch auf mehr als nur literaturgeschichtlichen Fußnotenwert. Die “Stadionromanzen” zeigen nämlich nicht nur, „welche Geschichten sich grundsätzlich über Sport erzählen lassen“. Titel wie “Der Läufer von Marathon”, “Sport-Hansi. Ein Tennis-Roman für junge Mädchen” oder “Theo boxt sich durch” bieten zudem Einblicke in „zentrale Imaginationen und Assoziationen” rund um den Sport. Besonders interessant sind für den Autor zwei Kategorien: die Verbindung von Sport und „Willenskraft“, sowie Körpermetaphern und Körpervorstellungen. Mehr zu den „tiefgebräunten Körpern von untadeliger Schönheit“ und der “Gymnastik des Willens” liest man in meiner Besprechung des Bandes in der Zeitschrift für Germanistik (ZfG) 1/2009 (entweder in der Bibliothek Ihres Vertrauens oder hier). Wer einen Blick in das Buch selbst werfen möchte, dem sei Google Books ans Herz gelegt.